Englands Küche - zu Unrecht umstritten?!

Fish and Chips

Wer an Englands Küche denkt, dem fallen meist die allseits bekannten Klassiker wie „Fish & Chips“ oder das typische englische Frühstück mit Eiern, Speck und Würstchen ein. Weiter verbindet man mit ihr wenig gewürzte, fleischhaltige Speisen, die zudem mächtig und fettig sind.

Eigentlich schade; denn englisches Essen hat weitaus mehr zu bieten, als sein vorurteilsbehafteter Ruf es ihm nachsagt. Gesunde Ernährung und das Ritual des Selber-Kochens bekommen langsam wieder höheren Stellenwert in Großbritannien und verdrängen nach und nach das klischeehafte Bild des nach Fast-Food süchtigen Insulaners.

Die Tatsache, dass immer mehr Spitzenköche, wie beispielsweise Jamie Oliver, aus England kommen, sowie die immer größer werdende Anzahl von TV-Kochsendungen zeugen von dem Trend einer Entwicklung, die Englands Küche auf das zurückführen soll, was sie im 19. Jahrhundert ursprünglich einmal war: eine ausgewogene, überall in Europa angesehene haute cuisine, die außerdem, auf Grund fortschreitender Globalisierung, Traditionelles mit neuen, außereuropäischen Einflüssen verbindet.

Fleisch ist nicht alles

Dass Fleisch in der kulinarischen Welt der Engländer eine große Rolle spielt, kann nicht bestritten werden. Gerichte wie „Sunday Roast“, „Lancashire Hotspot“ oder „Shepherd’s Pie“ sind beste Beispiele. Dass diese alles andere als langweilige Fettbomben sind, sondern durchaus ausgewogene Mahlzeiten darstellen, die auf eine langjährige Tradition zurückblicken allerdings auch nicht.

Das populäre „Sunday Roast“ wird in den unterschiedlichsten Variationen zubereitet. Ursprünglicher Sinn dieser Mahlzeit war es, die ganze Familie, nach dem sonntäglichen Kirchenbesuch, an einen Tisch zu bringen. Auch heute noch wird der „Sunday Roast“ traditionellerweise meist am frühen Sonntagnachmittag gegessen.

Wichtigster Bestandteil ist ein Rostbraten, der aus unterschiedlichsten Fleischsorten, wie Lamm oder Schwein, bestehen kann und mit verschiedenen Beilagen wie „Baked Potataoes“ (halbierte, mit Öl bestrichene Kartoffeln, die im Backofen geröstet werden), diversen Gemüsesorten oder dem populären „Yorkshire Pudding“ serviert wird.

„Lancashire Hotpot“ ist ein deftiger Schmorbraten, aus Rind oder Lamm bestehend, der im Ofen mit Kartoffeln, Zwiebeln und verschiedenen Kräutern zubereitet wird. Das Gericht hat seinen Ursprung in den Zeiten der aufkommenden Industrialisierung, da die Zubereitung auch in größeren Mengen sehr wenig Aufwand macht und der Auflauf noch mehrere Tage nach dem Kochen den Arbeitern als Mittagslunch mitgegeben werden konnte.

Auch der „Shepherd’s Pie“ erfreut sich bei den Briten größter Beliebtheit. Auf einer unteren Hackschicht, die traditionell aus Lammfleisch besteht und mit Knoblauch, Karotten, verschiedenen Kräutern und Tomatenmark verfeinert sein kann, wird eine Schicht aus fein pürierten Kartoffeln aufgetragen. Das Ganze wird mit Käse bedeckt und im Ofen gebacken. Variationen des „Shepherd’s Pie“ sind der „Fishermen’s Pie“, bei dem das Hackfleisch durch Fisch ersetzt wird, und der „Admiral’s Pie“, der zusätzlich mit einer Sahnesauce serviert wird.

Des Weiteren sind verschiedene Puddings, in deftiger oder süßer Variante, die zum Beispiel gerne an Festlichkeiten wie dem 1. Weihnachtsfeiertag serviert werden („Christmas pudding“), wichtiger Bestandteil der englischen Küche.

Himmlische Nachspeisen

Besonders beliebt sind die sogenannten „Crumbles“. Diese bestehen aus unterschiedlichen saftigen Früchten (meistens Äpfel) die mit weichen Streuseln aus Mehl, Butter und Zucker überbacken sind. Das Gericht wird ofenwarm serviert. Ebenfalls zu empfehlen ist die weinschaumähnliche Nachspeise „Syllabub“. Diese besteht aus Weißwein, der mit Zitronensaft aromatisiert wird und unter den geschlagene Sahne gezogen wird, bis eine cremige Masse entsteht. Englands Küche bietet neben dieser begrenzten Auswahl noch viele weitere herrliche Desserts, die zwar kalorienhaltig, aber durch ihre geschmackliche Qualität allemal eine Sünde wert sind.